„Feuer in Alexandria“ in der Stadtbibliothek (WN)

Mit einem „Achtung: Platz da“ stürmte der Truppführer Kurt durch die Menge der wartenden Zuschauer, verbreitete ein wahres Katastrophengefühl mit einer Prise prickelndem Humor. Mit einem Löschschlauch bewaffnet stürmte er mit seinem Kollegen Flo unter der Aufsicht der Feuerwehrhauptfrau Cheff zum Retten und Schützen in die Bibliothek.

Der theatermäßige Feueralarm im Lesesaal am Samstagabend war für die sehr vielen Besucher ein wahrlich zündendes Erlebnis. Wer in der Welt der Bücher lebt, der lebt eben manchmal auch gefährlich nahe am Abgrund. Bei dem Theaterstück „Feuer in Alexandria“ hätte da die feine Bibliothek fast das gleiche Schicksal ereilt wie das antike Pendant, wäre aus der sympathischen Bibliothekarin Sophie alias Anke Winterhoff fast eine Brandstifterin geworden.

Die Kulturinitiative hat an diesem Abend einen neuen Weg eingeschlagen. Das Theaterstück „Feuer in Alexandria“ wurde nicht auf die Bühne des Ballenlagers gebracht, sondern dem Leitsatz der „Fruynde + Gaesdte“-Theatermacher aus Münster an einen ungewöhnlichen Ort verlegt. Für das begeisterte Publikum hat sich die Verlegung gelohnt, sie gab der Abschiedsvorstellung der Inszenierung der Münsteraner Theatermacher einen ganz intimen Reiz. Die große Welt der Bibliotheksbrände und Feuerwehreinsätze verwandelte sich vom Medienspektakel in die kleine Welt von vier Menschen, die durch eine Brandmeldung zusammengeführt werden und die Tiefe ihrer eigenen Persönlichkeit und Gefühlswelt entdecken. Solch eine Rückführung zu dem eigenen Selbst ist sicherlich genauso brandgefährlich wie eine Dynamitstange in den falschen Händen.

Die Inszenierung von Jan-Christoph Tonigs und Zeha Schröder zeigte ihren feinsinnigen Humor, mit Anke Winterhoff, Marcell Kaiser, Frank Dukowski und Stephanie Kunz erlebte man eine bis ins kleinste Detail stimmige Theaterproduktion.

Man litt mit der vom Leben und Lesen betrogenen sympathischen Bibliothekarin, entdeckte ungeahnte lyrische Adern bei der Feuerwehrhauptfrau und auch die beiden männlichen Kollegen hatten bestes Theaterblut in den Adern. Aus dem Anschlag auf das Kulturgut Buch wurde im Laufe der spritzigen Plaudereien mit tiefstem Ernst eine halb groteske, halb poetische Lesereise, traf man auf den Schiller, Goethe und Mark Twain.

Jenseits der Brandschutzordnung erlebte man in der Stadtbibliothek bestes Theater mit feinsinniger Einbeziehung des Spielortes. Da darf man gespannt sein auf das nächste Wiedersehen mit „Freuynde und Gaesdte“ am kommenden Samstag im historischen Bierkeller bei Öppe.

 

 

„Feuer in Alexandria“ in der Stadtbibliothek (GZ)

Was für ein Theaterabend! Die Kulturinitiative (KI) hatte zum Theaterabend in die Stadtbibliothek eingeladen, zu einem „Experiment“ mit der Theatergruppe Freuynde und Gäsdte. Das Wagnis hat sich mehr als gelohnt!

Grevens Stadtbibliothek war der ideale Ort für diese Aufführung mit dem Titel „Feuer in Alexandria“, in der es auf poetisch-skurrile Weise um die Problematik des Lesens in unserer Zeit geht.

Ungewöhnlich schon der Beginn. Die im Vorraum wartenden Besucher wurden durch zwei hereinstürzende Feuerwehrmänner aufgefordert, wegen eines Feuers schnellstens den Raum zu verlassen, ihre Plätze aufzusuchen. Nun, die Wehrleute waren zu früh. Der Brand der Bibliothek werde erst vorbereitet, war von der zierlichen, etwas weltfremden Bibliothekarin Sophie zu hören. Auch könne sie die Streichhölzer nicht finden. Die Feuerwehrleute Kurt, die Dumpfbacke, und der gebildete Florian sowie ihre Chefin wollen fort, werden aber von dem Seelchen von Feuerteufel, das durch die ausschließliche Beschäftigung mit Büchern den Kontakt zur Welt verloren hat, festgehalten.

Mit dem Anzünden der Bibliothek will sie ein Fanal setzen gegen Internet, Privatfernsehen und Häppchenkultur – alles, was der Buchkultur entgegensteht. Feuerwehrmann Kurt outet sich als Nichtleser, Tom Sawyer und Werther („so ein Schmachtlappen“) sind ihm nicht bekannt und das von Sophie angebotene Buch weist er wie eine Anmaßung zurück: „Ich kann nicht lesen.“ Anders die Chefin und Florian, die nicht nur die Dienstanweisungen kennen, sondern auch Mark Twain und Goethe, aus denen sie lesen und zitieren.

Dann wird der größte Bibliothekenbrand der Geschichte, das „Feuer in Alexandria“, auch szenisch heraufbeschworen: „Cäsar! Du Barbar!“, schimpft Kleopatra. Nur Kurt zeigt sich unbeeindruckt. „Keiner vermisst das Zeug“, sagt er, „die Erde dreht sich weiter.“ Dem widersprechen die anderen und verweisen, darauf, dass Literatur viel bewirken kann.

Jetzt erklärt Kurt, warum er sich dem Lesen verweigert. Für ihn sind Bücher gefährlich. Nach dem Lesen von Kafkas „Verwandlung“ habe er sich wochenlang im Traum als Käfer gesehen, der auf dem Rücken liege. Sein Fazit: „Bücher sind hinterhältig.“ Florian weiß von jemandem, der „sich an der Bibel zu Tode gefressen hat“ und dann gab´s ja auch noch den Don Quichotte, der durch zu viel Lesen an Realitätsverlust litt.

Und wie endet die Geschichte? Sophie inszeniert zum Text von „Mariechen war allein zu Haus“ eine Scheinverbrennung und danach macht sich die ganze Mannschaft ans Lesen, denn „Lesen ist nicht schwer und Lesen macht Vergnügen“.

Vergnügen machte auch das Zusehen bei „Freuynde und Gäsdte“, denn die Schauspieler waren großartig. Leider war das Stück schon nach 80 Minuten zu Ende. Aber die Schauspieltruppe ist am kommenden Wochenende, Samstag, 12. September, und Sonntag, 13. Sepptember, wieder in Greven. In Winninghoffs Bierkeller erlebt man das Stück „Leyden“ (Verhör des Jan van Leyden). Für die Sonntagsvorstellung gibt´s übrigens noch freie Plätze.