Saxperience im Ballenlager (WN)

Ungewöhnliche Klänge, die doch nicht richtig ungewöhnlich klangen: Diesen scheinbaren Widerspruch erlebten am Samstag rund 200 Zuhörer beim Konzert von "Saxperience" im Ballenlager. Kulturinitiative und FMO präsentierten dort das zwölf-köpfige Saxofonensemble mit seiner höchst seltenen Besetzung. Natürlich war es ein besonderes Klangerlebnis, aber doch nicht so exotisch, wie manch einer im Vorfeld vielleicht geglaubt hatte. "Wir zeigen nicht alles an schlimmen Sachen, die man mit dem Saxofon machen könnte", sagte zu Beginn Ensemblemitglied Stefanie Holzkamp, die mit viel Witz in die Stücke einführte, wohl in ironischer Anspielung an Instrumentalkollegen aus den Bereichen Jazz und experimenteller Musik.

Eher entstand in vielen Passagen der Eindruck, es musiziere ein kleines Sinfonie-Orchester auf der Bühne, so bunt waren die Klangfarben. Mal meinte man Celli zu vernehmen, mal flirrten Oboen- und Klarinettenklänge durchs Ballenlager. Geschuldet war dieser Klangreichtum der Besetzung, die sich von der, so Holzkamp, "kleinen Möhre", dem Sopraninosaxofon, bis zum Basssaxofon über fünf Oktaven erstreckt.

Im ersten Teil des Konzerts standen zumeist kürzere Stücke von zeitgenössischen Komponisten auf dem Programm, die speziell auf den Saxofon-Klangkörper zugeschnitten sind. "Näher mein Gott zu Dir" von Gustav Bumcke erlangte dabei besondere Berühmtheit, weil es der Legende nach von der Schiffskapelle beim Untergang der Titanic gespielt worden sein soll. Die ganze Bandbreite der Klangfarben spielte "Saxperience" bei vier höchst unterschiedlichen Miniaturen des amerikanischen Komponisten Walter S. Hartley aus - ein ganz besonderes Hörerlebnis. Nach dem Motto "Unterhaltend für Sie, anstrengend für uns" ging es dann mit rhythmisch geprägter Musik von Jean Matitia in die Pause.

Der zweite Teil des Konzerts war Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gewidmet. Das ursprünglich für Klavier geschriebene Werk, die musikalische Interpretation eines Spaziergangs durch eine Ausstellung mit Bildern des Malers Victor Hartmann, bekommt durch das Arrangement für ein Saxofonensemble ein ganz neues Gesicht. Hier zeigte das mit 26 Jahren jüngste Ensemblemitglied bei der Feuertaufe seine Klasse. Denn für den aus Neuseeland stammenden Simon Brew war es das erste öffentliche Konzert als Dirigent und Nachfolger von Simone Otto, die "Saxperience." 2004 ins Leben gerufen hatte. Mit traumwandlerischer Sicherheit führte er das Ensemble durch die Klippen des Stückes und trug seinen Teil zu einem überzeugenden Konzert bei, für das es viel Beifall gab. Den "Rausschmeißer" machte "Blow the Tango". Am Ende blieb nur ein Wunsch offen: Ein paar von den "schlimmen Sachen" mit dem Saxofon hätte man doch gern gehört.

 

Saxperience im Ballenlager (GZ)

Einen außergewöhnlichen Abend im Ballenlager versprachen die zwölf Mitglieder des Saxophon-Zwölftetts "Saxperience" den Grevener Zuschauern, die das Ballenlager komplett füllten. Sie hatten nicht zu viel versprochen.

Nach kurzer Begrüßung durch den KI-Vorsitzenden Egon Koling hieß auch Moderatorin und Orchestermitglied Olivia Haupt das Publikum willkommen. "Als wir hier am Bahnhof ankamen und ausgestiegen sind, da haben wir gar nicht geglaubt, dass hier so viele Menschen leben", scherzte sie angesichts der vielen Gäste.

Ob sich der Erfinder des Saxophons, der Belgier Adolphe Sax im Jahre 1840 jemals hatte vorstellen können, was aus seiner Erfindung alles entstehen würde? Er wäre sicher einer der begeistertsten Zuhörer geworden, denn was "Saxpierience" im Ballenlager boten, war überwältigend. "Voluminös wie ein komplettes Sinfonieorchester" urteilten die Kritiker und man muss ihnen Recht geben. Ein totales Klangerlebnis, wenn auch das eine oder andere Stück ein wenig gewöhnungsbedürftig war.

Um die moderneren Stücke eines Walter S. Hartley oder Jean Matitia leichter zugänglich zu machen führte Olivia Haupt mit kleinen Erläuterungen hervorragend durch das Programm. Wer allerdings einen Abend mit Musik im Stil von Max Greger erwartete, war fehl am Platz.

Dennoch, dieser Abend war ein Genuss für die Ohren eines jeden Musikliebhabers und vor allem für die Fans dieses Instrumentes. Aber nicht nur die Ohren kamen zu ihrem Genuss. Diejenigen, die etwas weiter vorn saßen und den erst 26-jährigen Dirigenten Simon Brew aus Neuseeland bei seiner Premiere genauer beobachten konnten, erlebten einen Dirigenten, der nicht nur das Orchester dirigierte: Nein, er lebte die Musik und hauchte durch seine Mimik und Gestik jeder Note ein eigenes Leben ein. Stand da der junge Karajan der Saxophonisten auf der Bühne? Man konnte durchaus einen Bezug herstellen.

Sein ganzer Körper war involviert. Er tauchte regelrecht in die manchmal schwierigen Musikstücke ein und sein Orchester dankte es ihm mit Akuratesse und Begeisterung. Der Funke sprang auch immer wieder aufs Publikum über, das mit lang anhaltendem Beifall dankte. Ein Abend der unvergessen bleiben wird, endete er doch mit einem Finale, das jederzeit mit einem großen Opernfinale vergleichbar war.