Thomas Beckmann in der Marienkirche (WN)

Der Titel des Konzertes klang eher spartanisch: „Beckmann spielt Cello.“ Für einen Mann, den die ehrwürdige britische „Times“ im Einklang mit dem deutschen Feuilleton zu einem der begnadetsten Cellisten weltweit kürte, wirkt ein solcher Satz reichlich unaufgeregt. Dabei war das Benefizkonzert, das der Düsseldorfer Starkünstler am Mittwochabend in der Marienkirche spielte, alles andere als gewöhnlich. Bach und Vivaldi gepaart mit Charlie Chaplin – solche exotisch anmutende Kombinationen hört auch der erfahrene Klassik-Fan nur selten.

Ob gerade diese besondere Werkauswahl der Grund war für die geringe Zuhörerzahl, wird wohl ein Geheimnis all jener bleiben, die diesem erstklassigen Musikabend fernblieben. Fest steht: Sie haben etwas verpasst. Und zwar mehr als ein normales Adventskonzert.

Schon der barocke Auftakt geriet zum Hochfest für alle Cellofans. Bachs berühmte Cellosuiten, darunter das bekannte Prélude in G-Dur, gelten als eine der schönsten Stücke für das Streichinstrument – und als die anspruchsvollsten, weil sie dem Cellisten technisch viel abverlangen. Ausdauer und Konzentration sind ebenfalls unentbehrlich, steht der Cellist bei Bach doch ganz allein, ohne Begleitung. Thomas Beckmann vermochte bei seinem Auftritt mehr, als diese bloße technische Hürde zu nehmen. Bei ihm erklangen die akkordartigen Tonkombinationen in meisterhafter Reinform. Klar und hell im Klang, perfekt im Rhythmus, brillant im Spiel der schnellen Abschnitte.

Umso bemerkenswerter erscheint Beckmanns Vorliebe für Charlie Chaplin, den die meisten nur als Klamauk-Schauspieler kennen. „Dass Chaplin begnadeter Cellist war und darüber hinaus eigene Stücke für sein Lieblingsinstrument schrieb, liegt weitestgehend im Schatten der Geschichte“, klärte Beckmann. Ebenso berichtete er von interessanten Anekdoten, die sich um den Cellisten Chaplin ranken. Etwa die, dass der Linkshänder sein gesamtes Cello umbauen ließ, nur um den Bogen links halten zu können. Geschadet hat es seiner vor allem auf den Film ausgerichteten Musik nicht. Eine Auswahl spielte Thomas Beckmann beim Konzert vor, unter anderem das Stück „Oh! That Cello“, in dessen Anlehnung später Udo Lindenbergs Cellolied entstand. Hier zeigte Beckmann vor allem Sinn für Feinheiten und für Witz, beispielsweise beim klangmalerischen Rauf- und Runterrutschen auf dem Cellosteg. Als der Solokünstler nach anderthalb Stunden Programm seinen Bogen beiseitelegte, blieb der Eindruck eines Konzertes der Marke Extraklasse. Und natürlich über 1000 Euro Spendengelder, die zur Hälfte der Grevener Tafel sowie dem von Beckmann begründeten Obdachlosenprojekt „Gemeinsam gegen die Kälte“ zu Gute kommen.